In einer virtualisierten Umgebung greifen VMs nicht direkt auf physische Festplatten zu. Stattdessen arbeiten sie mit virtuellen Festplatten – Dateien auf einem Speichersystem die sich für die VM wie echte Festplatten verhalten. Der Hypervisor übersetzt alle Festplattenzugriffe der VM in Operationen auf dem darunterliegenden Speichersystem.
Format | Hypervisor | Dateiendung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
VMDK | VMware | .vmdk | Weit verbreitet, gut kompatibel |
VHD | Hyper-V (alt) | .vhd | Max. 2 TB, älteres Format |
VHDX | Hyper-V (neu) | .vhdx | Max. 64 TB, besser bei Stromausfall |
QCOW2 | .qcow2 | Snapshots, Komprimierung, Thin Provisioning | |
RAW | KVM/Proxmox | .raw / .img | Kein Overhead, beste Performance |
OVF/OVA | Alle | .ovf / .ova | Portables VM-Austauschformat |
Eine der wichtigsten Entscheidungen bei virtuellen Festplatten: Wie wird der Speicherplatz auf dem Datastore reserviert?
VM bekommt 100 GB virtuelle Festplatte:
→ Sofort werden 100 GB auf dem Datastore reserviert
→ Alle Blöcke werden auf 0 gesetzt (formatiert)
Vorteile:
✓ Maximale Performance (keine Initialisierung beim Schreiben)
✓ Garantierter Speicherplatz – kein Risiko von Speichermangel
✓ Empfohlen für Datenbanken und I/O-intensive Workloads
Nachteile:
✗ Sofort 100 GB belegt – auch wenn VM nur 10 GB nutzt
✗ Längere Bereitstellungszeit (Formatierung dauert)VM bekommt 100 GB virtuelle Festplatte:
→ 100 GB werden reserviert aber NICHT vorformatiert
→ Blöcke werden erst beim ersten Schreiben auf 0 gesetzt
Vorteile:
✓ Schnellere Bereitstellung als Eager Zeroed
✓ Garantierter Speicherplatz
Nachteile:
✗ Erster Schreibzugriff auf neuen Block etwas langsamer
✗ Immer noch sofort 100 GB belegtVM bekommt 100 GB virtuelle Festplatte:
→ Nur tatsächlich genutzte Blöcke werden auf Disk geschrieben
→ Datei wächst dynamisch mit
Beispiel:
VM hat 100 GB Festplatte – nutzt aktuell 15 GB
Thin: Datei auf Disk ist 15 GB groß
Thick: Datei auf Disk ist 100 GB groß
Vorteile:
✓ Effizienter Speicherverbrauch
✓ Schnelle Bereitstellung
✓ Overcommitment möglich
Nachteile:
✗ Performance-Overhead beim Wachstum
✗ Risiko: Datastore voll wenn alle VMs wachsen
✗ Fragmentierung möglich
Typische Nutzung: Test/Dev-VMs, wenig I/OServer ──── SATA/SAS/NVMe ──── Lokale Festplatten
Vorteile:
✓ Maximale Performance (besonders NVMe)
✓ Keine Netzwerkabhängigkeit
✓ Günstig
Nachteile:
✗ Kein Live-Migration zwischen Hosts möglich
✗ Kein Shared Storage – VM gehört an einen Host
✗ Keine HA (High Availability)Server ──── Ethernet (NFS/SMB) ──── NAS-Gerät
Protokolle:
NFS (Network File System) → Linux/VMware Standard
SMB/CIFS → Windows Hyper-V Standard
Vorteile:
✓ Shared Storage – mehrere Hosts nutzen denselben Datastore
✓ Live-Migration möglich
✓ Einfache Verwaltung
✓ Günstig
Nachteile:
✗ Netzwerk-Latenz (wichtig: 10 GbE oder mehr empfohlen)
✗ Netzwerk als Single Point of FailureServer ──── Fibre Channel / iSCSI ──── SAN
Protokolle:
Fibre Channel (FC) → Dediziertes Storage-Netz, max. Performance
iSCSI → SCSI über Ethernet – günstiger als FC
FCoE → Fibre Channel over Ethernet
Vorteile:
✓ Maximale Performance und Zuverlässigkeit
✓ Shared Storage für alle Hosts
✓ Dediziertes Netzwerk – kein Konflikt mit VM-Traffic
Nachteile:
✗ Teuer (besonders Fibre Channel)
✗ Komplex in der Verwaltung
✗ Spezielle Hardware erforderlich (FC-HBA)Protokoll | Geschwindigkeit | Kosten | Typischer Einsatz | |
|---|---|---|---|---|
Local NVMe | DAS | Sehr hoch | Mittel | Performance-VMs |
iSCSI | SAN | Hoch | Mittel | Produktions-VMs |
NFS | NAS | Mittel-Hoch | Gering | VMware, allgemein |
SMB 3.0 | NAS | Mittel-Hoch | Gering | Hyper-V |
Fibre Channel | SAN | Sehr hoch | Hoch | Enterprise, Datenbanken |
Ein Snapshot ist ein eingefrorener Zustand einer VM zu einem bestimmten Zeitpunkt. Technisch gesehen wird beim Snapshot eine Delta-Datei erstellt die alle Änderungen nach dem Snapshot-Zeitpunkt aufnimmt:
Vor Snapshot:
[Base Disk: 50 GB] ← VM schreibt hier
Nach Snapshot:
[Base Disk: 50 GB] ← eingefroren, nur-lesend
[Delta Disk: 0 GB] ← VM schreibt jetzt hier (wächst)
Nach 1 Woche Betrieb:
[Base Disk: 50 GB]
[Delta Disk: 12 GB] ← alle Änderungen der letzten Woche
Rollback: Delta Disk verwerfen → sofort zurück zum Snapshot-Zeitpunkt
Commit: Delta in Base zusammenführen → Snapshot gelöschtVorsicht bei langen Snapshot-Ketten:
[Base] → [Delta 1] → [Delta 2] → [Delta 3] → aktuelle VM
Probleme:
✗ Performance sinkt mit jeder zusätzlichen Schicht
✗ Festplattenverbrauch wächst unkontrolliert
✗ Merge (Zusammenführung) kann sehr lange dauern
Empfehlung: Nie mehr als 2-3 Snapshots gleichzeitig
Snapshots sind KEIN Ersatz für Backups!Bei VMware ermöglicht Storage vMotion das Verschieben der virtuellen Festplatten einer laufenden VM von einem Datastore auf einen anderen – ohne Ausfallzeit:
Anwendungsfall:
Datastore A ist fast voll → VM-Disk auf Datastore B verschieben
Thin → Thick konvertieren ohne VM-Downtime
Alten langsameren Storage auf neuen NVMe-Storage migrierenVMs nutzen virtuelle Festplatten (VMDK, VHDX, QCOW2) statt physischer Disks
Thin Provisioning: Speicher wächst dynamisch – effizient aber mit Overcommitment-Risiko
Thick Provisioning: Speicher sofort reserviert – bessere Performance und Planbarkeit
DAS (lokal) ist schnell aber kein Shared Storage – keine Live-Migration möglich
NAS (NFS/SMB) ist günstig und ermöglicht Shared Storage über Ethernet
SAN (iSCSI/FC) bietet maximale Performance und Zuverlässigkeit für Enterprise
Snapshots sind Delta-Dateien – kein Backup-Ersatz und nicht dauerhaft nutzen
Lange Snapshot-Ketten verschlechtern Performance erheblich