Subnetting

Was ist Subnetting und warum brauchen wir es?

Stell dir vor, du arbeitest in einem großen Bürogebäude mit 500 Mitarbeitern. Alle teilen sich ein einziges Netzwerk – jeder kann jeden sehen, jeder kann auf alles zugreifen, und der Netzwerkverkehr ist ein einziges Chaos. Die Buchhaltung kann auf die Server der Entwickler zugreifen, die Gäste sehen die internen Drucker, und ein einziger infizierter Computer kann das gesamte Netzwerk lahmlegen.

Die Lösung heißt Subnetting – das Aufteilen eines großen Netzwerks in kleinere, voneinander getrennte Teilnetzwerke (Subnetze). Jede Abteilung bekommt ihr eigenes Netzwerk, der Datenverkehr bleibt übersichtlich, und die Sicherheit steigt erheblich.

Was ist ein Subnetz?

Ein Subnetz ist ein logisch abgetrennter Teil eines größeren IP-Netzwerks. Geräte im gleichen Subnetz können direkt miteinander kommunizieren. Für die Kommunikation zwischen verschiedenen Subnetzen wird ein Router benötigt.

Netzwerk: 192.168.0.0/22

Subnetz 1: 192.168.0.0/24  → Buchhaltung  (254 Hosts)
Subnetz 2: 192.168.1.0/24  → IT-Abteilung (254 Hosts)
Subnetz 3: 192.168.2.0/24  → Gäste        (254 Hosts)
Subnetz 4: 192.168.3.0/24  → Server       (254 Hosts)

Die Grundlage – Bit-Mathematik verstehen

Beim Subnetting arbeiten wir mit Zweierpotenzen. Das klingt komplizierter als es ist:

Host-Bits

Adressen gesamt

Nutzbare Hosts

CIDR

1

2

0

/31

2

4

2

/30

3

8

6

/29

4

16

14

/28

5

32

30

/27

6

64

62

/26

7

128

126

/25

8

256

254

/24

Die Formel lautet immer:

Nutzbare Hosts = 2^(Host-Bits) - 2

Die -2 steht für die Netzwerkadresse (erste) und Broadcast-Adresse (letzte) – diese sind immer reserviert.

Schritt für Schritt – Ein Subnetz berechnen

Wir nehmen als Beispiel das Netzwerk 192.168.10.0/24 und teilen es in 4 gleich große Subnetze auf.

Schritt 1 – Wie viele Subnetze brauchen wir?

Wir brauchen 4 Subnetze. Da wir mit Zweierpotenzen arbeiten: 2² = 4 → wir brauchen 2 zusätzliche Bits für die Subnetz-Identifikation.

Schritt 2 – Neue Präfixlänge berechnen

Ursprüngliche Präfixlänge: /24
+ 2 Bits für Subnetze:     /26

Neue Subnetzmaske: 255.255.255.192

Schritt 3 – Subnetze ermitteln

Bei /26 stehen 6 Bit für Hosts zur Verfügung: 2⁶ = 64 Adressen pro Subnetz. Die Subnetze folgen in Schritten von 64:

Subnetz

Netzwerkadresse

Erste Host-IP

Letzte Host-IP

Broadcast

1

192.168.10.0

192.168.10.1

192.168.10.62

192.168.10.63

2

192.168.10.64

192.168.10.65

192.168.10.126

192.168.10.127

3

192.168.10.128

192.168.10.129

192.168.10.190

192.168.10.191

4

192.168.10.192

192.168.10.193

192.168.10.254

192.168.10.255

Die Schrittweite – der Schlüssel zum Subnetting

Die Schrittweite ist der Abstand zwischen den Netzwerkadressen der Subnetze. Sie lässt sich einfach berechnen:

Schrittweite = 256 - letzter Wert der Subnetzmaske

Beispiel /26: Subnetzmaske = 255.255.255.192
              Schrittweite = 256 - 192 = 64

Beispiel /27: Subnetzmaske = 255.255.255.224
              Schrittweite = 256 - 224 = 32

Beispiel /28: Subnetzmaske = 255.255.255.240
              Schrittweite = 256 - 240 = 16

Praxisbeispiel – Firmennetzwerk planen

Du bekommst das Netzwerk 172.16.0.0/16 und sollst folgende Abteilungen mit eigenen Subnetzen versorgen:

Abteilung

Benötigte Hosts

Passendes Subnetz

Produktion

200 Hosts

/24 → 254 Hosts

Verwaltung

50 Hosts

/26 → 62 Hosts

IT

25 Hosts

/27 → 30 Hosts

Gäste

10 Hosts

/28 → 14 Hosts

Server

5 Hosts

/29 → 6 Hosts

Die Zuweisung könnte so aussehen:

Abteilung

Subnetz

Hosts

Produktion

172.16.1.0/24

172.16.1.1 – 172.16.1.254

Verwaltung

172.16.2.0/26

172.16.2.1 – 172.16.2.62

IT

172.16.2.64/27

172.16.2.65 – 172.16.2.94

Gäste

172.16.2.96/28

172.16.2.97 – 172.16.2.110

Server

172.16.2.112/29

172.16.2.113 – 172.16.2.118

Gehört eine IP-Adresse zu einem Subnetz?

Eine häufige Aufgabe: Gehört 192.168.1.130 zum Subnetz 192.168.1.128/26?

Subnetz:          192.168.1.128/26
Schrittweite /26: 64
Netzwerkadresse:  192.168.1.128
Broadcast:        192.168.1.128 + 64 - 1 = 192.168.1.191

Liegt 192.168.1.130 zwischen .128 und .191? → JA ✓

Vorteile von Subnetting

  • Sicherheit – Abteilungen sind voneinander getrennt. Ein Angriff oder Virus im Gästenetz erreicht nicht das Firmennetz.

  • Performance – Broadcast-Pakete bleiben im Subnetz. Weniger unnötiger Datenverkehr im gesamten Netz.

  • Übersichtlichkeit – Klare Strukturen erleichtern die Verwaltung und Fehlersuche.

  • Effizienz – IP-Adressen werden bedarfsgerecht vergeben statt verschwendet.

Zusammenfassung

  • Subnetting teilt ein großes Netzwerk in kleinere Teilnetzwerke auf

  • Die Präfixlänge bestimmt wie viele Hosts ein Subnetz hat: 2^(Host-Bits) - 2

  • Die Schrittweite = 256 minus dem letzten Wert der Subnetzmaske

  • Jedes Subnetz hat eine reservierte Netzwerk- und Broadcast-Adresse

  • Router verbinden verschiedene Subnetze miteinander

  • Subnetting erhöht Sicherheit, Performance und Übersichtlichkeit