VRRP & HSRP

Das Problem: Was passiert wenn der Router ausfällt?

In jedem Netzwerk gibt es ein Standard-Gateway – den Router über den alle Pakete ins Internet oder in andere Netzwerke geleitet werden. Alle Geräte im Netzwerk sind auf diesen einen Router angewiesen. Fällt er aus, ist das gesamte Netzwerk von der Außenwelt abgeschnitten – ein sogenannter Single Point of Failure.

Die Lösung: Gateway-Redundanz. Zwei (oder mehr) Router teilen sich eine gemeinsame virtuelle IP-Adresse. Fällt der primäre Router aus, übernimmt der zweite automatisch – ohne dass die Clients etwas davon mitbekommen oder ihre Konfiguration ändern müssen.

Dafür gibt es zwei wichtige Protokolle: VRRP (ein offener Standard) und HSRP (Cisco-proprietär).

VRRP – Virtual Router Redundancy Protocol

VRRP ist in RFC 5798 definiert und funktioniert auf allen Herstellern. Es bildet eine VRRP-Gruppe aus mehreren Routern:

  • Master-Router: Der aktiv weitergeleitete Router – er hält die virtuelle IP-Adresse und beantwortet ARP-Anfragen dafür

  • Backup-Router: Wartet passiv und überwacht den Master per Heartbeat

VRRP-Beispiel:

Clients konfiguriert mit Gateway: 192.168.1.1 (virtuelle IP)

Router A (Master)  ──┐
IP: 192.168.1.2    ──┤── Virtuelle IP: 192.168.1.1  ──── Internet
Router B (Backup)  ──┘
IP: 192.168.1.3

Normalbetrieb: Router A leitet weiter, Router B wartet
Ausfall Router A: Router B übernimmt 192.168.1.1 sofort
Clients: kein Ausfall sichtbar – Gateway-IP bleibt gleich

Die Auswahl des Masters erfolgt anhand der Priorität (0–255, Standard: 100). Der Router mit der höchsten Priorität wird Master. Bei Gleichstand gewinnt die höhere IP-Adresse.

HSRP – Hot Standby Router Protocol

HSRP ist Ciscos proprietäre Alternative zu VRRP und funktioniert nur auf Cisco-Geräten. Die Konzepte sind sehr ähnlich, aber die Begriffe unterscheiden sich:

Eigenschaft

VRRP

HSRP

Standard

Offen (RFC 5798)

Cisco-proprietär

Aktiver Router

Master

Active

Passiver Router

Backup

Standby

Priorität Standard

100

100

Multicast-Adresse

224.0.0.18

224.0.0.2 (v1) / 224.0.0.102 (v2)

Protokoll

IP-Protokoll 112

UDP Port 1985

Preemption – Rückkehr des Masters

Ein wichtiges Konzept bei beiden Protokollen ist Preemption: Wenn der ursprüngliche Master nach einem Ausfall wieder online kommt – übernimmt er dann automatisch wieder die Kontrolle?

Bei VRRP ist Preemption standardmäßig aktiviert – der Router mit der höheren Priorität übernimmt automatisch wieder den Master-Status sobald er verfügbar ist.

Bei HSRP ist Preemption standardmäßig deaktiviert – der wiederhergestellte Router bleibt im Standby bis er manuell zum Active-Router gemacht wird.

Warum nicht einfach zwei Default-Gateways eintragen?

Clients unterstützen nur ein Standard-Gateway in ihrer IP-Konfiguration. Man kann zwar auf Betriebssystemebene mehrere Gateways konfigurieren, aber das ist komplex und nicht automatisch. VRRP/HSRP lösen dieses Problem elegant: Die Clients merken vom Failover gar nichts – die virtuelle IP bleibt immer gleich.

Zusammenfassung

  • VRRP und HSRP lösen das Single-Point-of-Failure-Problem beim Standard-Gateway

  • Mehrere Router teilen sich eine virtuelle IP-Adresse – Clients nutzen diese als Gateway

  • VRRP (RFC 5798) ist herstellerunabhängig, HSRP ist Cisco-proprietär

  • Bei VRRP heißt der aktive Router Master, bei HSRP Active

  • Der Router mit der höchsten Priorität (0–255) wird zum aktiven Router

  • Preemption: Bei VRRP standardmäßig aktiv, bei HSRP standardmäßig inaktiv

  • Clients konfigurieren nur die virtuelle IP – ein Failover ist für sie transparent